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Bitcoin: Eine Betrachtung der technischen Faktenlage

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Die Kursentwicklung der meisten Kryptoassets war in den vergangenen Wochen tiefrot. Einige Personen sprechen von einer gesunden Korrektur, andere von dem längst überfälligen Platzen einer Blase. Auffallend ist jedoch der starke Support, den verschiedene Kryptoassets – darunter auch der Bitcoin – trotz dem aktuellen Abwärtstrend erhalten. Aus gutem Grund, wenn man die technische Faktenlage betrachtet.

Erstveröffentlichung am 26. Januar 2018 auf wallstreet-online.de

Der Bitcoin hat die letzten Jahre seine Robustheit eindrücklich unter Beweis gestellt. Obschon der Kursverlauf durch eine sehr hohe Volatilität geprägt war, gelang es dem Asset sich in einer breiteren Gesellschaftsschicht zu etablieren und verschiedenste Angriffe zu überstehen. Dementsprechend rücken Kryptoassets auch immer mehr in den Interessenbereich von institutionellen Anlegern, die nebst potentiell hohen Renditen insbesondere an der tiefen Korrelation mit anderen Anlageklassen interessiert sind.

Nichtsdestotrotz waren die letzten Wochen geprägt von tiefroten Zahlen und einem generellen Unmut. Seit Anfang des Jahres brach die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptoassets um rund 20% ein. Dies wohlgemerkt nachdem wir im Verlaufe des letzten Jahres einen Anstieg von über 3’000% verzeichnen konnten.

Gewissermassen stellt der Einbruch somit eine Korrektur dar, die zu erwarten war. Überraschend ist hingegen der Zeitpunkt dieser Korrektur. Technisch stehen der Bitcoin und auch einige der anderen rund 1’500 gelisteten Kryptoassets heute deutlich besser da, als noch vor einem halben Jahr. Die Unsicherheit bzgl. der Skalierungsdebatte hat sich entschärft und erste Massnahmen scheinen zumindest im Ansatz zu greifen.

Eine solche Massnahme ist Segregated Witness (SegWit). Dabei handelt es sich um eine Anpassung, welche es ermöglicht gewisse Daten aus einer Transaktion auszugliedern und somit zu platzsparenderen Transaktionen führt. Bei einem fixen Datenlimit von 1 MB pro zehn Minuten (Schnittwert), führt die Reduktion der Transaktionsgrösse dazu, dass mehr Transaktionen pro Zeiteinheit verarbeitet werden können. Implementiert wurde SegWit bereits im Verlaufe des letzten Jahres. Damit SegWit aber tatsächlich greift, müssen die Nutzer bzw. deren Software entsprechende Transaktionsoutputs erstellen. Genau in diesem Bereich sehen wir nun einen merklichen Anstieg auf knapp 13%.

Eine weitere vielversprechende Entwicklung ist das langersehnte Lightning Network, welches über verknüpfte Zahlungskanäle eine praktisch unbeschränkte Anzahl an Bitcoin Transaktionen zulässt. Die jüngsten Kompatibilitätstests zwischen verschiedenen Implementierungen sind erfolgreich verlaufen und erste Zahlungen wurden sowohl auf Testnetzwerken, wie auch im produktiven Bitcoin Netzwerk durchgeführt. Sollte sich diese zusätzliche Transaktionsebene durchsetzen, wären viele der Skalierungsbedenken Geschichte. Ein weiterer netter Nebeneffekt ist, dass Lightning Transaktionen unmittelbar gültig sind. Die übliche Wartezeit von durchschnittlich zehn Minuten für eine Bestätigung würde somit entfallen.

Ob und wann die Skalierungsmassahmen tatsächlich greifen, bleibt abzuwarten. Technisch gesehen handelt es sich aber um höchst interessante Entwicklungen, die zu tieferen Transaktionsgebühren führen und den Bitcoin dadurch deutlich attraktiver machen könnten.